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Streckenheft Magazin für Bahn-Kultur, Strecken und Triebwagen — Heft XXII —
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Triebwagen · 9 min

DB Baureihe 628 — Diesel-Triebwagen-Klasse im Bestand 2026

Bestandsaufnahme der zweiteiligen Dieseltriebwagen-Familie BR 628 im Sommer 2026: Subvarianten, verbliebene Einsatzgebiete und Ablösung durch BR 642 und BR 644.

Die Baureihe 628 prägt seit vier Jahrzehnten den nicht elektrifizierten Regionalverkehr in Deutschland. Im Sommer 2026 ist die Klasse jedoch in der Schluss-Phase ihrer Betriebslaufbahn angekommen. Dieser Bestandsbericht ordnet Bauart, Subvarianten, technische Daten und den aktuellen Einsatz im DB-Regio-Netz ein.

Konstruktion und Bauphilosophie

Die BR 628 ist ein zweiteiliger Dieseltriebwagen in konventioneller Drehgestell-Bauart. Sie besteht aus einem motorisierten Triebkopf (Baureihe 628) und einem antriebslosen Steuerwagen (Baureihe 928). Der Motor sitzt unterflur im Triebkopf und treibt über ein hydromechanisches Getriebe ein Drehgestell an. Mit 612 kW Antriebsleistung im Triebkopf und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ist die Einheit konsequent auf den klassischen Lokal- und Regionalverkehr ausgelegt — nicht auf Beschleunigung im Stadtbahn-Takt.

Gebaut wurde die Klasse zwischen 1986 und 1996 von einem Konsortium aus Duewag (Düsseldorf), AEG und Linke-Hofmann-Busch (LHB, Salzgitter). Insgesamt entstanden in dieser Zeit rund 460 Einheiten — die größte Diesel-Triebwagen-Beschaffung der DB seit der Baureihe 624/634.

Technische Eckdaten

ParameterWert
BauartZweiteiliger Dieseltriebwagen
AchsfolgeB’2’ + 2’2’
Länge über Kupplung45,4 m
Dienstgewichtrund 67 t
Antriebsleistung Triebkopf612 kW (628.2), 485 kW (628.4 MAN)
Höchstgeschwindigkeit120 km/h
Sitzplätze 2. Klasserund 120

Subvarianten im Überblick

Die BR 628 ist keine homogene Klasse, sondern eine Familie. Vier Subvarianten sind für das Verständnis des Bestands relevant.

BR 628.0 — Prototypen

Die ersten zwölf Einheiten der Vorserie aus 1974/1975 trugen die Bezeichnung 628.0. Sie wurden noch ohne Klimaanlage und mit abweichender Türverteilung gebaut und dienten zur Erprobung des Konzepts. Diese Prototypen sind seit den 2000er Jahren ausgemustert, einige stehen in Museums-Sammlungen.

BR 628.2 — Standardvariante

Die mit Abstand größte Serie. Über 300 Einheiten der 628.2 entstanden zwischen 1986 und 1994 mit MTU-Motor 12V 183 TD12 (612 kW). Sie bildete das Rückgrat des DB-Regio-Dieselnetzes der 1990er und 2000er Jahre und ist auch 2026 noch der mit Abstand häufigste Vertreter im verbliebenen Bestand.

BR 628.4 — MAN-Motor

Die ab 1992 gebauten Einheiten erhielten den MAN-Motor D 2876 LUE 605 mit 485 kW. Die geringere Leistung pro Einheit war im Tausch gegen niedrigeren Verbrauch und einfachere Wartung kalkuliert. Etwa 150 Einheiten der 628.4 wurden gebaut.

BR 628.9 — Reaktivierungs-Linie

Eine kleinere Sondervariante, die für reaktivierte Strecken modifiziert wurde — unter anderem mit angepasster Steuerungstechnik für den Einsatz auf Strecken mit reduzierter Sicherungstechnik. Die 628.9 ist eine zahlenmäßig kleine, aber für die Reaktivierung wichtiger Nebenstrecken relevante Gruppe.

Aktueller Bestand 2026

Mit Stand Frühjahr 2026 ist die BR 628 in der finalen Stilllegungs-Phase. Aus den ursprünglich rund 460 gebauten Einheiten sind nach mehreren Abgabewellen — sowohl an Privatbahnen als auch in den Schrottschnitt — noch etwa 80 betriebsfähige Einheiten bei DB Regio im Bestand. Die Abgaben an osteuropäische Betreiber (vor allem Polen, Tschechien, Rumänien) der frühen 2020er Jahre haben den Bestand zusätzlich reduziert.

Die verbliebenen Einheiten konzentrieren sich auf wenige Regionen:

  • Niedersachsen / Nordrhein-Westfalen: Restbestände im Weser-Ems-Raum und auf Strecken im Münsterland, vor allem als Reserve.
  • Baden-Württemberg: Auf Lokal-Strecken im Hochrhein-Raum und im Schwarzwald-Vorland sind noch einzelne 628.4 im Plandienst.
  • Bayern: Im ostbayerischen Raum (Oberpfalz, Niederbayern) laufen vereinzelte Umläufe, oft als Verstärker.

Ersatzfahrzeuge

Die Ablösung der BR 628 erfolgt fast vollständig durch zwei Klassen:

BR 642 Desiro Classic

Der zweiteilige Siemens-Desiro mit 275 kW pro Antriebseinheit und 120 km/h ist seit den 2000er Jahren der Standard-Nachfolger im DB-Regio-Netz. Die Beschleunigung ist deutlich besser als bei der 628, das Innenraum-Layout moderner. Der Desiro hat die 628 auf vielen Strecken bereits in den 2010er Jahren ersetzt.

BR 644 Talent

Der dreiteilige Bombardier Talent mit Niederflur-Mitteleinstieg löst die 628 dort ab, wo höhere Kapazitäten gefragt sind. Mit 422 kW pro Antriebsmodul und 120 km/h Höchstgeschwindigkeit ist er auf den verstärkten Pendlerverkehr ausgelegt.

Bewertung der Klasse

Die BR 628 war für ihre Zeit eine pragmatische Konstruktion: solide, wartungsfreundlich, einfach. Sie hat den nicht elektrifizierten DB-Regionalverkehr über drei Jahrzehnte stabilisiert und auf vielen Strecken die Dampf-Ersatz-Generationen (V 100, V 90) abgelöst, ohne dass eine Elektrifizierung nötig wurde.

Schwächen der Klasse waren von Beginn an die mäßige Beschleunigung — bedingt durch das hydromechanische Getriebe und das relativ hohe Leergewicht — sowie die nicht durchgängig niederflur-taugliche Einstiegshöhe. Beides hat in der Wahrnehmung der Fahrgäste und der Aufgabenträger dazu geführt, dass die Klasse als „nicht mehr zeitgemäß” eingestuft wurde, lange bevor die technische Lebensdauer erreicht war.

Ausblick

Die letzten BR-628-Umläufe bei DB Regio werden nach derzeitigem Stand bis Ende 2027 enden. Einzelne Einheiten werden voraussichtlich in den Bestand von Eisenbahn-Vereinen und Museumsbahnen übergehen — die Klasse ist zahlenmäßig groß genug und konstruktiv einfach genug, um als historisches Fahrzeug betreuungs-fähig zu bleiben. Ein industrieller Weiterverkauf ins europäische Ausland ist 2026 nur noch in Einzelfällen wahrscheinlich; der Markt für gebrauchte zweiteilige Dieseltriebwagen ist gesättigt.

Für die Eisenbahn-Dokumentation ist die BR 628 damit in einer interessanten Phase: noch im Plandienst sichtbar, aber bereits in den letzten Monaten ihrer Regelpräsenz. Wer die Klasse im Einsatz fotografieren oder dokumentieren möchte, hat dafür im Sommer 2026 noch ein begrenztes Zeitfenster.


Ressort: Triebwagen